Perspektivwechsel im Klassenzimmer: Wenn der Stadtspaziergang durch Hausach zum Hindernisparcours wird
Ein gewöhnlicher Freitagvormittag am Robert-Gerwig-Gymnasium, doch statt Unterricht steht heute etwas Anderes auf dem Lehrplan: Empathie durch Selbsterfahrung. Im Rahmen eines Inklusionsprojekts tauschen Schüler der Ethikklassen von Herrn Breh und Frau Gentzsch ihre Sneaker gegen Rollstühle und ihre gewohnte Sicht gegen die Dunkelheit hinter einer Augenbinde.
Hürden im Sitzen und im Dunkeln
Was spielerisch beginnt, wird schnell zur Herausforderung. „Plötzlich ist die kleinste Türschwelle ein riesiger Berg“, stellt ein Siebtklässler fest, während er versucht, seinen Rollstuhl über eine Kante zu manövrieren. Die Erkenntnis kommt prompt: Barrierefreiheit ist kein Luxus, sondern die Voraussetzung für einen normalen Alltag.
Gleich nebenan tasten sich Mitschüler mit einem Blindenstock vorsichtig an der Wand entlang. Ohne visuelle Orientierung werden Geräusche und Bodenstrukturen plötzlich lebenswichtig. Die Schüler lernen schnell: Ein Blindenstock ist nicht nur ein Suchwerkzeug, sondern ein verlängerter Arm, der Sicherheit in einer unbekannten Welt bietet.
Mehr als nur ein Experiment
Pädagogisches Ziel des Projekts mit der Lebenshilfe Kinzigtal, vertreten von Frau Angelov, ist es, Berührungsängste abzubauen und das Bewusstsein für Diskriminierung, Abwertung oder Ausgrenzung von Menschen im Alltag zu schärfen. Es geht nicht um Mitleid, sondern um das Verständnis von Teilhabe als Menschenrecht.
